Sparpotential_ Einkauf von Nichthandelsware
Einkauf von Nichthandelsware
Bei der Suche nach Mitteln gegen die Rezession drehen Unternehmen oft zunächst an der Kostenschraube, um rasch das Ergebnis zu verbessern. Personalabbau oder Sortimentsanpassung zählen dabei zu den Standardrezepten mit häufig negativen Begleiterscheinungen in Handelsunternehmen. Entscheider im Handel haben jedoch einen Bereich kaum im Blick, der gerade in ihrer Branche ein großer Kostenblock ist: Der indirekte Einkauf umfasst im Durchschnitt rund ein Sechstel des Umsatzes im filialisierten Handel; bei Discountern liegt der Anteil niedriger.
Häufig handelt es sich um komplexe und somit auch teure Waren und Dienstleistungen, deren Einkaufsvolumen durch die Menge von Filialen nochmals wächst. Dazu gehören zum Beispiel Ladenbau, IT, Marketing oder Facility Management, auch auch Logistikleistungen und Energie. Indirekter Einkauf – auch bekannt als Nichthandelsware oder technischer Einkauf – bietet durchschnittlich etwa 12 Prozent Einsparmöglichkeiten. Dies ermittelten die Branchenexperten der Einkaufberatung Inverto in einer aktuellen Querschnittsstudie bei 16 führenden filialisierten Handelsunternehmen, die durch Expertengespräche und Benachmark-Daten ergänzt wurde. „Ihre Handelsware würden die Unternehmen so nie einkaufen“
Die Manager im Handel verschenken Geld. Die alte Kaufmannsweisheit, dass im Einkauf der Segen liege, scheint für die indirekte Beschaffung nicht zu gelten. Drei Viertel der befragten Manager schätzten ihren indirekten Einkauf um 50 Prozent zu niedrig ein.
Wo keine Transparenz über Umfang und Zusammensetzung des gesamten indirekten Einkaufsvolumens besteht, werden systematische Einsparungen schwierig. Ob Ladenbau, Filialdrucker, Sicherheitsdienste oder Marketing – die Beschaffung dieser Waren und Dienstleistungen wird nach Einschätzung der Entscheider stiefmütterlich behandelt.
Die größten Sparpotenziale liegen im Einkauf von Energie, Bau, Technik, Einrichtungen, IT und Telekommunikation, Facility Management sowie Marketingleistungen.
Spar-Hürden für den indirekten Einkauf
Der Studie zur Folge verfügen zwar etwa zwei Drittel der untersuchten Unternehmen über einen Einkaufsbereich für Nichthandelsware, allerdings gibt es zahlreiche Hürden, um die möglichen Spareffekte zu erzielen:
1. Fehlende Ressourcen, weil fast alle Einkäufer (90%) mit operativer Tagesarbeit überlastet sind und keine Zeit etwa auf Marktbeobachtung oder Lieferantenrecherche verwenden.
2. Die Organisationsstruktur, denn bei 81% der Befragten sind operativer und strategischer Einkauf nicht getrennt und nur operative Bereiche zentralisiert.
3. Fehlende Fachkompetenz gerade im indirekten Einkauf, der als Unternehmensbereich häufig historisch gewachsen ist und Einkaufsprozessen eines modernen Händlers nicht entspricht. Wenn Fachbereiche selbst einkaufen, werden kaufmännische Aspekte zu wenig berücksichtigt.
4. Übermächtige Fachbereiche, die den Einkauf in einkäuferischen Belangen einschränken. Bei rund vier Fünftel der untersuchten Unternehmen wird ein erheblicher Teil des indirekten Beschaffungsvolumens am Einkauf vorbei gekauft.
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