In den letzten 20 Jahren hat die Verbreitung von Neurodermitis stark zugenommen. Gründe werden unter anderem in einer zu sauberen, sehr hygienisch-keimfreien Umgebung gesehen. Der Trend zu größerer Hygiene ist sicherlich trotzdem zu begrüßen, allerdings haben sich auch Allergien, die mit atopischen Krankheiten, wie Neurodermitis eine ist, einiges gemeinsam haben, weiter ausgebreitet.
Der Zusammenhang zwischen keimfreier, beziehungsweise keimarmer, Umgebung mit diesen Leiden wird von den meisten Medizinern in der mangelnden „Erfahrung“ des Immunsystems mit verschiedenen Stoffen und Krankheitserregern.
Unser Immunsystem funktioniert so, dass eingedrungene Stoffe, deren Oberflächenstruktur nicht bekannt ist, zuerst auf eine mögliche Schädlichkeit geprüft werden. Ist der Stoff wenig gefährlich und nur in geringer Konzentration vorhanden, wird der Stoff von Fresszellen (Phagen) abgebaut. Bei Krankheitserregern die unbekannt sind werden verschiedene Antikörper produziert, die diese Zellen angreifen sollen. Sobald eine Krankheit einmal erfolgreich bekämpft wurde, kann der Körper sich immunisieren.
Wenn der Körper nur eine geringe Konzentration von körperfremden Stoffen gewöhnt ist, wird er auf leicht erhöhte und eigentlich unbedenkliche Konzentration überstark reagieren. Dann kommen auch andere Abwehrmechanismen wie Fieber oder Vereiterungen zum Tragen.
Neurodermitis funktioniert sehr ähnlich, einem vermeintlichem Eindringling wird, bildlich gesprochen, die ganze Palette an Waffen entgegengeworfen. Dies führt dann zu Ausschlägen und Juckreiz.
Neurodermitis lässt sich nicht heilen, aber verschwindet teilweise in der Pubertät. Dies kann an der Veränderung der Hautstruktur liegen, die durch die hormonellen Umstellungen ausgelöst wird. Linderung kann allerdings erreicht werden. So wird bei Neurodermitis Homöopathie angewandt um den Körper nicht zusätzlich zu belasten. Es gibt auch andere Möglichkeiten, so wie die Behandlung mit Cortison, die allerdings aufgrund ihrer nicht unerheblichen Nebenwirkungen nur bei einer sehr starken Form angewandt werden sollte. Zudem gibt es rückfettende Salben, die die störende Trockenheit der Haut beseitigen soll. Dabei ist zu beachten, dass die natürliche Regenerationsfähigkeit der Haut auch gefördert werden sollte. Eine neu entstehende „Sucht“ nach Feuchtigkeit durch übermäßigen Gebrauch fettender Cremes sollte unbedingt vermieden werden.
Nicht zu vernachlässigen ist auch der Einfluss der psychischen Situation auf den Krankheitsverlauf. Stress reizt das Immunsystem und verändert den Hormonhaushalt, so dass oft mit einer Phase erhöhter Anforderung auch eine Phase stärkerer Beschwerden einhergeht. Die zusätzliche Belastung ist natürlich nicht unbedingt förderlich den Stress abzubauen.
Neurodermitis sollte also immer durch eine ganzheitliche Behandlung angegangen werden.
Alina Kohlmeier
Sedanstraße 87
Hannover
