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Halloween Neuentdeckung eines alten Brauchs

Bergfriedhof
Bild Rechte: 
© Rainer Beel

Was schert uns Halloween?
Um es vorweg zu nehmen: eine Menge! Zwar hagelte es sofort Kritik als das lange vergessene Fest mit neuen Gepflogenheiten und über den transatlantischen Umweg wieder in Deutschland ankam, aber das ursprünglich christliche Halloween hat weit mehr zu bieten hat als nur Rüben oder Kürbisse, Süssigkeiten und Spukgeschichten.

Was hat es mit Halloween auf sich?
Halloween ist der Vorabend von Allerheiligen. 'Hallow' kommt vom altenglischen 'halga' (Heiliger) und steht in 'Halloween' für 'halig' (heilig). E'en, verwandt mit dem althochdeutschen 'aband' und bezeichnet den Vorabend eines Feiertages.
Seit über 1000 Jahren beginnt mit Halloween, dem Abend des 31. Oktobers, ein hoher christlicher Feiertag: Allerheiligen (1.November). Am 2. November folgt dann Allerseelen, der Tag, an dem für die Verstorbenen gebetet wird.
Wie auch in anderen katholischen Ländern, glaubten die Menschen im mittelalterlichen England, dass die Toten zu dieser Zeit noch einmal für zwei oder drei Tage aus dem Fegefeuer zurückkehren würden, um in ihre Häuser zu gehen und Angehörige um deren Fürbitte zu ersuchen.
Anders als heute begann der neue Tag früher nicht um Mitternacht (0.00 Uhr), sondern abends. Aus diesem Grund kommt der Nikolaus noch heute vielerorts am Abend des 5. Dezembers. Auch dass das Weihnachtsfest mit dem Heiligen Abend beginnt, geht auf diese Tradition zurück.

Kein Totengott
Häufig liest man, dass Halloween auf ein heidnisches Totenfest der Kelten, verwandt mit dem irischen und schottischen Samhain (Ende des Sommers), zurückgehe. Historisch oder archaeologisch gibt es allerdings keinen Hinweis darauf, dass Halloween in vorchristlicher Zeit ein Totenfest war, oder dass an diesem Tag heidnische Kulthandlungen begangen wurden. Auch ein keltischer Totengott namens "Samhain" ist unbekannt. Belegt sind die Namen von ungefähr 350 keltischen Gottheiten. Ein "Sam Hain" gehört nicht dazu.

Geister, Hexen und Feen
Erst seit dem 19. und verstärkt seit dem 20. Jahrhundert hat sich Halloween den Ruf erworben, eine Nacht zu sein, in der Geister, Hexen und Feen besonders aktiv sind. In alten angelsächsischen Texten wird der 1. November nirgendwo erwähnt. Bede notiert, dass der November 'Blod-monath' (Blutmonat) genannt wurde, da man im November überzähliges Vieh schlachtete, um Futter zu sparen und Opfer darzubringen. Er nennt aber kein spezielles Datum. Auch vom Mittelalter bis zum 19. Jahrhundert gibt es kein Anzeichen dafür, dass man Halloween als etwas anderes betrachtete als den Abend, an dem die Glocken den Gedenktag der Heiligen einläuteten.

Rübengeister und Kostümparties
In Grossbritannien kennt man Halloween auch als 'Nut-Crack Night', denn Äpfel und Nüsse, die zu dieser Zeit überall zu haben sind, spielten eine grosse Rolle an Halloween: Junge Leute legten jeweils zwei Nüsse, denen sie ihre eigenen und die Namen Ihrer Traumpartner gaben, nebeneinander ins Feuer, um zu sehen, ob sie explodierten oder nicht. Ein lauter Knall versprach dabei die grosse Liebe. Äpfel kamen in vielen alten Spielen, von denen manche auch heute wieder auf Kinderfesten zu sehen sind, vor. Die Spieler mussten versuchen, im Wasser schwimmende oder an Seilen hängende Äpfel mit ihren Zähnen zu greifen.
Während schottische Kinder verkleidet von Tür zu Tür zogen, veranstalteten englische zu Hause Kostümparties. Zu den uralten Halloweenbräuchen gehört auch das Erschrecken der Leute mit einer ausgehöhlten Kohl- oder Steckrübe, in die ein schauriges Gesicht geschnitzt und eine brennende Kerzen gestellt wird. In Amerika nimmt man statt einer Rübe lieber einen Kürbis: Jack o´ Lantern. Der gute Jack ist eigentlich ein Will-o´-the-Wisp - so bezeichnet man in England die flackernden, verschwommen Lichter, die man gelegentlich in sumpfigen Gegenden sieht.

Respektlosigkeit gegenüber dem Tod
Halloween ist eines der ganz wenigen christlichen Feste, deren Popularität in den letzten Jahren nicht ab-, sondern zugenommen hat. Wer sich zu Halloween als Skelett oder Geist verkleidet, erinnert einerseits an die, die uns - wie es auf Beerdigungen immer so schön heisst - im Tod vorausgegangen sind und demonstriert andererseits eine gehörige Portion Respektlosigkeit, gegenüber dem Tod, der durch die unendliche Liebe Gottes seine Gewalt über uns verloren hat. »Tod, wo ist dein Stachel? Totenreich, wo ist dein Sieg?» (1Kor 15,54-55). Das ist die Halloweenbotschaft.
Dass heute ausgerechnet die Kirchen und christlichen Gemeinschaften das Fest empört ablehnen, statt es neu für sich zu entdecken, ist auch eine Folge der modernen Theologie. Man weiß keine Antwort mehr auf die Frage nach den letzten Dingen und schweigt, wenn es um Tod und Auferstehung geht. Weil die Kirche auch ansonsten vergesslich geworden ist, überlässt sie ein Fest, das jahrhundertelang christlich geprägt war, neuheidnischen Umdeutungsversuchen. Heute eignen sich daher Esoteriker, Neuheiden und Satanisten das Fest an. Sie übertragen moderne Glaubensauffassungen und Legenden auf altertümliche Traditionen und versehen Halloween mit einer neuen Geschichte und Bedeutung.

Soziale Funktion
Statt vor grimmigen Kürbisfratzen zu warnen und gegen bunte Papierhexen zu wettern, sollten sich die Gegner des alten Brauchs die soziale Komponente von Halloween neu vor Augen führen. Es würde etwas verloren gehen, wenn das Fest plötzlich aus dem Kalender verschwände. Auch in ländlichen Regionen wachsen heute Kinder heute auf, ohne die Namen der Nachbarn zu kennen. Die Entfremdung, die für Erwachsene unangenehm ist, macht Kindern Angst. Mit Fremden spricht man nicht. Vielleicht sind sie böse. Aber auch Erwachsene, die selber keine Kinder haben, empfinden Misstrauen.

Durch das Halloweenfest kann dieses Misstrauen ausgetrieben werden. Das Trick or treat ist keine Bedrohung, und vor der Tür stehen keine Missetäter. Das Trick or treat kommt von verkleideten Kindern, die sich getraut haben, an fremde Türen zu klopfen. So gesehen handelt es sich dabei um eine Einladung, Ängste zu überwinden und sich ein bisschen weniger fremd zu werden.

Fazit
Halloween ist das, was man daraus macht. An sich ist es weder ein Kommerzfest noch eine Ausrede für Vandalismus oder eine Gefahr für den Reformationstag. Es sei denn, man macht es dazu. Das wäre aber töricht, denn Halloween ist viel mehr als nur nerviger Budenzauber. Es ist ein Fest der Fantasie und erfüllt darüberhinaus eine soziale Funktion - wenn man sich darauf einläßt.

Autor Kontakt: 

Rainer Beel
Burgstraße 6
57258 Freudenberg
E-Mail: rainer@beel-online.com
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